Eine Motorradtour ab Andermatt nach Graubünden und ins Tessin
Mein Ausflug in die Kantone Tessin und Graubünden beginnt in Andermatt. Weit geschwungene Kurven und Kehren führen den Oberalppass hinauf zum gleichnamigen See. Etwas ungewohnt im Landschaftsbild ist die Tatsache, dass sich auch eine Eisenbahn hinauf zur Passhöhe auf über 2000 m Höhe quält. Die Matterhorn-Gotthard-Bahn verbindet Andermatt (Uri) und Disentis (Graubünden) durch eine private Schmalspurbahn. Oben auf der Passhöhe genieße ich den Ausblick über den Oberalpsee. Wesentlich engere Radien finde ich kurz darauf bei der Abfahrt vom Pass. Die Ostrampe bietet enge Kehren und einen schönen Blick in die Surselva, das Tal des oberen Vorderrheins.
Bei Tschamut ist dann Schluss mit dem Kurvengeschaukel. Der Talblick auf Rueras mit seinen verstreuten Häusern entschädigt dafür aber mehr als genug.
Kurz darauf erreiche ich Disentis und zweige südwärts ins Val Medel ab. Auf den nächsten 15 Kilometern steigt die Strecke stetig an, bietet einige Galeriedurchfahrten und etliche leichte Kurven, bis ich den Stausee am Lukmanierpass erreiche. Am südlichen Ende des Stausees befindet sich das Hospiz mit dem obligatorischen Passschild. Die südliche Abfahrt bringt mich dann hinunter ins Bleniotal. Enge Kurven und Kehren suche ich hier vergeblich. Aber auch hier bietet die Strecke wieder herrliche Aussichten ins Tal. Erst der Abschnitt zwischen Camperio und Olivone bietet wieder sehr schöne Kurven
Kurz darauf verlasse ich bei Aquila die Hauptstraße 416 in Richtung Ponto Valentino. Über Castro führt mich die schmale Straße nach Prugiasco. Hier biege ich dann rechts auf die Passstraße nach Leontica ab. Die Straße wird ziemlich eng und ist mit zahlreichen engen Kehren gespickt. Da freut sich Ross und Reiter. Ich erreiche das wunderschön gelegene und idyllische Bergdorf Leontica und genieße die herrlichen Aussichten ins Tal. Auch die Abfahrt hinunter zur Hauptstraße zeigt sich von einer äußerst kurvigen Seite. An der Hauptstraße angekommen lese ich auf einem Hinweisschild, dass ich vom Pass Leontica komme. Wie sich zu Hause herausstellen sollte, sind im Internet keine brauchbaren Informationen über diesen kleinen Pass zu finden. Wer sein Motorrad nicht sicher durch solch teilweise recht enge Kehren lenken kann, sollte diesen Abstecher von der Hauptstraße lieber unterlassen und auf diesen „Spaß“ verzichten.
An der Hauptstraße folge ich der Wegweisung nach Biasca. Über Motto und Chiesa geht es auf der gut ausgebauten Straße weiter nach Biasca. Hier biege ich auf die Hauptstraße 2 ab und folge dem ziemlich geradlinigen Verlauf bis Castione. Die Strecke ist gesäumt von bewaldeten Berghängen und hat fahrerisch Nichts zu bieten. Nach der erfolgreichen Durchquerung zweier Kreisverkehre in Castione zeigt mir ein Hinweisschild den Weg zum San Bernardino Pass. Über Roveredo und Soazza geht es auf der Kantonsstraße weiter in nördlicher Richtung nach Logiano. Links und rechts der Strecke türmen sich hohe Berge auf und ich erreiche Pian San Giacomo. Schön zu fahrende Kurven führen auf der gut ausgebauten Passstraße hinauf nach San Bernardino. Oben erwarten mich das alte Hospiz und ein sehr schöner Blick über den Laghetto Moesola. Der San-Bernardino-Pass wurde Anfang des 18. Jahrhunderts neu geplant und ausgebaut. Dieser fast 200 Jahre alte Straßenverlauf dient heute dem Kfz-Verkehr zwischen dem Rheinwald und dem Misox , einem Tal im Kanton Graubünden. Die ehemalige Schutzhütte, das jetzt bewirtschaftete Hospiz, stammt ebenfalls aus der Zeit dieses Straßenumbaus und liegt auf 2066 m Höhe.
Nach der sehr angenehm zu fahrenden Abfahrt von der Passhöhe geht es meist parallel zur Autobahn durch den Rheinwald nach Splügen. Kurz darauf erreiche ich Sufer. Schnell ein Bild von der dortigen Talsperre (Sufener See) und schon geht es weiter entlang des Hinterrheins durch die Roflaschlucht.
Entlang des Hinterrheins führt die Route weiter über Zillis zur Via Mala, was
soviel bedeutet wie „schlechter Weg“ oder „böse Schlucht“. Gemeint ist damit ein
äußerst beschwerlicher Abschnitt entlang dem Hinterrhein – sofern man ihn zu Fuß
bewältigen möchte, wie einst Goethe auf seinem Weg nach Italien im Jahre 1788.
Durch den Bau von Brücken, Tunnel und Galerien Anfang des 18. Jahrhundert wurde
der Grundstein für die Befahrbarkeit dieser Schlucht gelegt. Heute ist die Via
Mala touristisch voll erschlossen und 321 Treppen führen hinunter in die
Schlucht, die ich mir allerdings erspart habe. Eine kurvige Abfahrt von der
Schlucht führt hinunter nach Thusis – ein pulsierendes Touristenstädtchen mit
zahlreichen Souvenirläden. Ziemlich kurvenlos führt mich die Straße über Cazis
und Unterrealta nach Bonaduz. Hier biege ich links Richtung Versam ab. Die
Strecke bleibt für die nächsten drei bis vier Kilometer kurvenlos. Plötzlich
aber liegen eine in die Felswand gemeißelte Passstraße und eine herrliche
Aussicht über den Vorderrhein vor mir. Schön kurvig, teilweise durch enge
Kehren, geht es hinauf nach Versam und irgendwie erinnern mich die Kurven ans
Hahntennjoch. Ein eindrucksvoller Beweis, dass der Mensch fast nur in Bildern
denkt.
Nach Versam folgen harmonisch geschwungen Kurven durch den Wald bis nach Ilanz.
Über Meierhof geht es vorbei an idyllisch gelegene Bergdörfer durch die
Ferienregion Obersaxen. Über die Hauptstraße 19 komme ich wieder nach Disentis.
Nochmal geht es über den Oberalppass und ich bin wieder am Ausgangspunkt der
Tour in Andermatt.





















